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NZ 21.05.2021
PEGNITZGRUND (ap/pz) – „Es war die richtige Entscheidung“, findet Hans Herrmann vom
FC Hersbruck. Auch weitere Verantwortliche heimischer Fußballvereine können gut mit dem Abbruch der aktuellen Saison leben.

Und das Votum der 2973 bayerischen Vereine (von 3695) sowie das des Vorstands des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) war eindeutig: Eine klare Mehrheit von 71,14 Prozent (2115 Stimmen) hat sich in einem vom BFV eingeholten Meinungsbild dafür ausgesprochen, die bis zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie unterbrochene Spielzeit 2019/21 bei den Frauen und Herren abzubrechen. „Mit dieser Umfrage sichert sich der BFV gegen eine Klagewelle ab“, denkt Holger Bayer, Vorsitzender des SV Henfenfeld. Das sei eigentlich schade für einen so großen Verband.

Aber zur Wahl standen zwei Abbruchmodelle: einmal mit direkten Auf- und Absteigern über die Quotienten-Regelung und ersatzlosem Ausfall der Relegation; zum anderen die Variante, wonach alle Vereine, die unter Berücksichtigung der Quotienten-Regel in der Tabelle auf einem Aufstiegs- und Relegationsplatz stehen, aufsteigen können und der Abstieg nicht zum Tragen gekommen wäre.

Dieses Vorgehen erhielt laut Pressemeldung des BFV eine Zustimmung von 28,86 Prozent (858 Stimmen). Das reichte nicht gegen das klare Votum in allen 22 bayerischen Fußball-Kreisen für die Anwendung des § 93 der Spielordnung. Die Wahlbeteiligung lag bei 80,46 Prozent.

Doch was bedeutet die Entscheidung nun für die heimischen Vereine und Ligen? In der Bezirksliga Nord kann sich im Tabellenkeller der FC Ottensoos freuen, denn er ist wie auch der TV Erlangen gerettet. Absteigen müssen dagegen Burgfarrnbach, Hagenbüchach und Tennenlohe. An der Spitze ändert sich nichts; Türkspor/Cagrispor Nürnberg ist Aufsteiger.

„Bei uns sind über 75 Prozent der Spiele gelaufen, daher hat das schon alles seine sportliche Grundlage“, meint Herrmann. Er hält die Regelung für die „fairste Entscheidung“ und hatte sich persönlich auch für diese ausgesprochen. „Wir hatten uns im Vorfeld in unserer Trainergruppe umgehört und da lautete das Ergebnis 5:3 für die andere Variante.“

Der Sportvorstand des FC Hersbruck stimmte also in der BFV-Umfrage entsprechend ab, sagt aber klar: „Es wäre ungerecht gewesen, wenn einer, der kein Spiel gewonnen hat, in der Liga bleiben würde.“ Außerdem wären so die Klassen auch extrem und künstlich aufgebläht worden.

Zu viele Partien

Das sieht auch Bayer so, dessen Henfenfelder in der Kreisliga 2 vertreten sind: „Da wären viele englische Wochen und Feiertagsspieltage auf uns zugekommen.“ Möglicherweise hätte dafür irgendwann das Personal gefehlt. „Und die, die oben oder unten in der Tabelle stehen, tun das ja auch zu Recht.“

Daher habe man vom Verein auch für dieses Modell votiert – nach interner Absprache mit Teilen der Mannschaft. „Prinzipiell hätte uns das egal sein können, weil unsere beiden Teams im Niemandsland der Tabelle stehen“, gibt er zu. Dennoch nahm der SV Henfenfeld teil, der noch rund zehn Partien vor der Brust gehabt hätte.

Wie auch der FC Reichenschwand. „Die abgefragten Verantwortlichen waren mehrheitlich für Abbruch ohne Absteiger und nur Aufsteiger“, verrät Vorsitzender Horst Hutzler. Er habe dennoch mit dem vorliegenden Ergebnis gerechnet, „denn die Mehrzahl der Vereine hatten mit dem Abstieg nichts zu tun und hätten sich aber mit Option zwei mit einem verschärften Abstieg in der kommenden Spielrunde auseinandersetzen müssen“. Das wolle natürlich niemand.

Für die „Erste“ hat das Vorgehen keine Relevanz, sie bleibt in der Kreisliga, womit Hutzler leben kann. „Niemand weiß, wie es sportlich ausgegangen wäre.“ Er hofft, dass die kommende Saison einigermaßen normal über die Bühne gehen kann. Aber: „Zweifel bleiben.“

In der Kreisliga 2 wird durch die Quotienten-Regel die SG Wolfsberg/Geschwand Meister; die SpVgg Diepersdorf rutscht dagegen auf Rang zwei ab. Dennoch kann die SpVgg aufsteigen, da das „G'schwandner Wolfsrudel“ als Spielgemeinschaft kein Aufstiegsrecht besitzt. Am Tabellenende müssen der FC Schnaittach und der TSV Rückersdorf ihre Hoffnungen begraben und den Gang in die Kreisklasse antreten.

In der Kreisklasse 4 verpasst der SK Heuchling als Tabellenzweiter die Chance auf eine Aufstiegsrelegation; nach oben geht es nur für Liga-Primus SpVgg Sittenbachtal. „Wir freuen uns auf alle Fälle über den Aufstieg – trotz der Entscheidung am grünen Tisch“, sagt Vorsitzender Matthias Bodendörfer. Damit habe die Spielvereinigung das gesteckte Ziel erreicht – wenn auch nicht ganz aus eigener Kraft.

Das trübt die Freude ebenso etwas wie die Tatsache, dass die „Taler“ die Meisterschaft gerade nicht einmal richtig feiern können. Bodendörfer ist überzeugt, dass die Mannschaft, die gerne zu Ende gespielt hätte, auch dann Rang eins nicht mehr hergegeben hätte.

Kaum Pause

Aus zeitlichen Gesichtspunkten sei der Abbruch richtig, denn es wären noch drei bis vier Wochen Vorbereitung nötig und dazu wäre der Spielplan so eng gestaffelt gewesen. „Das hätte zu lange gedauert, wenn man mit der neuen Spielzeit normal im August starten will.“

Während die „Taler“ die Liga nach oben verlassen, müssen FC Röthenbach, Türkspor Röthenbach und der FC Schnaittach II den Gang in die A-Klasse antreten.

In der A-Klasse 5 gibt der SV Schwaig II dem TSV Behringersdorf das Nachsehen und kann in die Kreisklasse aufsteigen. Abwärts geht es für SG Hersbruck II und den FC Reichenschwand II.

Bei der Reichenschwander Reserve setzt sich laut Hutzler die Reihenfolge von Auf- und Abstieg seit 2011 nahtlos fort. „Aber bei realistischer Betrachtung wäre der Klassenerhalt für die „Zweite“ sportlich nur schwer zu realisieren gewesen.“

Ähnlich kommentiert Herrmann den Abstieg der Hersbrucker. „Das ist schon gerecht, weil spielerisch hätten die Jungs die Chance gehabt.“ Die Saison habe so oder so „wenig sportlichen Wert“ gehabt, denn eine Spielgemeinschaft gelte nur ein Jahr. Trotzdem ist Herrmann zuversichtlich, dass die Fußballer wie gewohnt in die neue Spielzeit gehen können: „Unsere Planungen laufen.“

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