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(HZ 17.12.2021)   Wenn der 12. Mann durchs Spiel trägt

 

HERSBRUCKER SCHWEIZ (ap) – „Es macht schon was mit einem, Zuschauer tragen einen“, sagt Alexander Michl. Der Leiter der Rugby-Abteilung des FC Hersbruck muss es wissen, er war selbst aktiv. Auch wenn sein Fokus dem Amateursport gilt, so sieht er die Tatsache, dass in einigen Hallen und Stadien im Profisport Zuschauer erlaubt sind, in Bayern aber beispielsweise nicht, „teils mit Neid, teils mit Unverständnis“. Sein Blick geht dabei auch in die Profi-Rugby-Ligen nach Frankreich und Großbritannien. Dort seien die Sportstätten vollgestopft und die Leute sitzen ohne Maske. „Da frage ich mich schon, ob das aktuell wirklich so gut ist.“ Dass sich Stadien zu einem Hotspot entwickelt hätten, hat er jedoch aus den Ländern bislang noch nicht gehört. Sicherheit durch Jubel Dass kein Verein auf Zuschauer verzichten mag, kann er verstehen, weil sie „ein ganz anderes Gefühl machen“. Motivation sei dabei nicht das einzige. „Als ich noch als Judoka aktiv war, gab mir das Anfeuern Sicherheit, weil ich dadurch abgelenktwar und keine Zeit hatte, vor dem Wettkampf nervös zu sein“, gibt Michl einen persönlichen Einblick. So ähnlich sei es natürlich auch beim Rugby. „Irgendwie haben wir damals lieber im vollen Heidelberg verloren als vor fünf Leuten irgendwo anders gewonnen“, erinnert er sich. Die Stimmung sei mit Zuschauern einfach eine andere.

Daher freute er sich, dass beim Doppelheimspieltag in Hersbruck Zaungäste dabei waren. „Als wir noch Saison hatten, waren die Vorgaben lockerer.“ Erst gegen Ende mussten die Besucher wieder dokumentiert werden. „Bei einer neu startenden Randsportart in einer unteren Klasse kommen keine Zuschauermassen, daher war das relativ einfach.“ Und am Gelände von Eintracht und FC Hersbruck am hintersten Platz verlaufe sich das eh: „Da können auch Radler und Spaziergänger vom Weg aus zugucken.“ Das geht beim Volleyball nicht. Den ersten Spieltag konnten die Damen des TV Hersbruck noch mit Zuschauern unter 2Gplus absolvieren; nun ist die Spielrunde laut Trainer Hans Tuchscherer bis auf Weiteres ausgesetzt. „Ja, da waren nicht so viele Leute wie sonst da aber die Stimmung war trotzdem gut“, berichtet er. Alle hatten sich nämlich gefreut, überhaupt wieder spielen zu dürfen. Auch Tuchscherer kommt nicht an den Diskussionen um Zuschauer im deutschen Profisport vorbei. Seine Meinung ist klar: „Entweder alle oder keiner.“ Oder dann weniger Leute und die über die Sportstätte verteilen. „Es muss gleiches Recht für alle gelten“, fordert er bundeseinheitliche Vorgaben. Denn so gebe es eine „gewisse Verzerrung“, findet er: „Zuschauer sind nicht umsonst der 12. Mann.“ Wenn auswärts Fans dabei sind, treibe das an; daheim könne man dadurch eine Macht werden. „Es sind einfach andere Emotionen da“, weiß er aus der Halle in Hersbruck. Ein guter Angriff und die Leute jubeln, „das motiviert

mehr, als wenn man sich nur im Team anfeuert“. Eigentlich Profis Darauf müssen Tuchscherer und seine Mädels wohl noch einige Zeit warten. Besucher bei den Partien wären schön, aber „wir wären froh, wenn wir in die Halle reinkönnten und überhaupt spielen dürften“. Darüber muss sich Achim Schauer keine Gedanken machen. Die zweite Judo-Bundesliga der Frauen hat eh Pause. Wenn aber Begegnungen wären, was wäredann? „Wir sindkein Profi-Sport, auch wenn die zweite Bundesliga offiziell dazugehört“, erläutert er. Wären Kampftage, würde sich der SV Neuhaus an die entsprechenden Vorgaben halten und diese mit dem Hallenbetreiber ab sprechen. In den vergangenen Wochen habe es Einzelturniere gegeben – „teils mit, teils ohne Zuschauer“. Für den Judoka sei das aber eigentlich egal, meint Schauer: „Der, der reinschreit, ist der Trainer.“ Und zum Judo kämen eh eher wenig Zuschauer. Viel mehr Sorgen als um dieses Thema macht sich Schauer um etwas anderes: Während die Teilnahme von Kindern am Training ungebrochen hoch ist, „haben wir durch Corona bei den Erwachsenen eingebüßt“. Einige seien vorsichtig und kämen nicht, andere hätten keinen vollständigen Impfschutz und dürften daher nicht auf die Matte. Auch befreundete Vereine kämen gar nicht mehr zum Wettkampftraining. „Sonst hatten wir drei bis fünf Leute da.“ Dabei sei genau diese Form des Trainings so wichtig: „Wir brauchen das, uns mit anderen zu messen.“ Kontakte reduzieren, das sei bei Judo halt schwierig. Achim Schauer hofft aufs Frühjahr und dassdie Leutewiedermehr Lust auf Bewegung haben. Vielleicht werde das Leben dann wieder normaler. „Aber wie wird sie dann, diese neue Normalität?“, fragt er sich

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